Vereinsgeschichte

Der Erfolg hat viele Eltern

Die Geschichte des Vereines, die Gründung der Stiftung und das Museum.

Am 18. Mai 1988 durfte ich die Gründung des Vereines zur Förderung der Tafelkultur e. V. umsetzen, wozu mich Generalkonsul Bruno H. Schubert motiviert hatte, da in den Gesprächen in seinem so gastfreundlichen Haus offensichtlich wurde, daß nur eine Privatinitiative die Wiedereinrichtung des einst berühmten Kochkunstmuseums in der Windmühlstrasse durchsetzen wird.

Als weitere Gründungsmitglieder zu Generalkonsul Bruno H. Schubert  konnte ich SKH Moritz Landgraf von Hessen , Stadtkämmerer Ernst Gerhardt, den Verband der Köche Deutschlands e. V., Gerd Schüler und  Walter Schwarz gewinnen.

Es war Walter Schwarz, der in all den Jahren seit 1972, als ich ihn kennen lernte anläßlich meiner Aufnahme als Mitglied der Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft, mir immer wieder von seinen vergeblichen Versuchen berichtete und sich beklagte, daß sich die Stadtverwaltung überhaupt nicht für diese so wichtige Frankfurter Institution internationaler Bedeutung interessierte. Der Prachtbau des Museums am Mainufer, am Brückenkopf des inzwischen erstellten Holbeinsteges auf der Frankfurter Seite war 1909 für die heute 48 Mio Euro entsprechende Summe erbaut und eröffnet worden.

Um dem jungen Verein wünschenswerte Aufmerksamkeit zu verschaffen, belebte ich die Frankfurter Tradition der Benefiz-Gala-Diners. Sie waren im 19. Jh. bis vor dem I. Weltkrieg der Anlass, das Ratssilber der Stadt und von der Familie Bethmann das Goldene Buch der Stadt zu stiften. Sie waren zugleich eine Reminiszenz  an die Kaiserkrönungsmale, die in unserer damaligen Reichsverfassung, in der Goldenen Bulle seit 1356 beurkundet , Frankfurts herausragende Bedeutung manifestieren. So konnte ich in den folgenden Jahren 12 Benefiz-Gala-Diners im Römer zelebrieren, deren großer Erfolg und deren internationales Medienecho Frankfurt zurück auf den kulinarischen Globus brachten.

Dieser Erfolg wurde von meinem Nachfolger Peter von Löbbecke ab 1991 erweitert um den Internetauftritt und bereichert durch 2 weitere Galadiners und publikumswirksame Veranstaltungen, die uns neue Mitgliederkreise erschlossen.

Um dem zweckentfremdet und  in Vergessenheit geratenen Kochkunstmuseumsbau die wünschenswerte Publizität wieder zu verschaffen, regte ich  Walter Schwarz an, die Geschichte des historischen Museumsgebäudes in der Windmühlstraße 1, am Mainufer und dem Frankfurter Brückenkopf des Holbeinsteges zu Papier zu bringen. Der Verlag Dr. Waldemar Kramer veröffentlichte das Manuskript für uns, nachdem ich den Verband der Köche Deutschlands durch seinen Präsidenten Hubert Veith als Sponsor gewinnen konnte.

Der  Verein zur Förderung der Tafelkultur hat in seiner Satzung sich 2 Aufgaben gestellt.

1.Das ehemalige Kochkunstmuseum, das am 19. Januar 1909 in der Windmühlstraße 1 in Frankfurt eröffnet wurde und durch die Ereignisse der Zeit nach 1937 unterging, als Deutsches Museum für Kochkunst und Tafelkultur wieder einzurichten.

Wir haben inzwischen das Penthaus Zeil 83/Eingang Holzgraben 4 für 10 Jahre mietfrei von den Hauseigentümern, um wieder den Museumsbetrieb einzurichten.

Die interdisziplinäre, geisteswissenschaftliche Professur an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main für „Tafelkultur und Gastronomie in den Europäischen Landschaften“.

Für die Durchführung von Veranstaltungen, die mehr bieten wollen als reine Verköstigung, werden Menschen benötigt, die eine akademische Ausbildung durchlaufen haben, um nicht nur betriebswirtschaftlich, sondern auch kulturell das Rüstzeug zu besitzen, die Erwartungen an Protokollchefs und Veranstaltungsleiter zu erfüllen und die wünschenswerten kulturellen Komponenten zur Verfügung zu stellen.

Wir wollen das Bewußtsein für den Umgang mit unseren täglichen Mahlzeiten schärfen und die Freude am genussvollen Essen und der Tafelkultur im Allgemeinen wecken. Den mit der Organisation von Veranstaltungen Betrauten werden wir akademische Ausbildung bieten und zugleich die Forschung, aber auch den Erhalt des historischen Wissens sichern.

Zunächst galt es wieder, eine Bibliothek als öffentliche Informationsquelle und universitäre Arbeitsgrundlage und eine Sammlung für den geplanten Museumsbetrieb auf zu bauen.

Dieser von mir 1988 in Umlauf gebrachte Spendenkarte und dem erfreulichen Medienecho der Galadiners verdanken wir umfangreiche Schenkungen aus allen Bevölkerungskreisen.

Das steuerliche Verbot, in einem Verein Vermögen an zu sammeln, lösten wir von der Stiftungsabteilung der Frankfurter Sparkasse 1822 unterstützt am 11. Oktober 1995 mit der Gründung der TafelKulturStiftung. Wie immer war auch in diesem Zusammenhang ein wertvoller Ratgeber unser Gründungsmitglied Dr. h.c. Ernst Gerhardt, Stadtkämmerer a.D., der sich neben Dr. Jan Rohls, Prof. H.H Usadel für den Vorstand zur Verfügung stellten. Dem traditionell „geborenen“ Mitglied in der Person des jeweiligen Hauptgeschäftsführers der IHK, inzwischen Matthias Grässle verdanken wir viele Anregungen und Kontakte.

Walter Schwarz und ab 1999 mit Unterstützung von Hans Hermann Bödeker leiteten unsere Sammlungen und besorgten die Neuaufstellung unserer Bibliotheksbestände in der Unibibliothek.

Sie starteten ab April 2004 unsere Serie der „Museumsbriefe“, von Walter Schwarz verfaßt, der im Laufe seines Berufslebens über das Thema Gastronomie vielfältig schrieb bis zur Sammlung: Der Witz in der Gastronomie.

Sein „Das klassische Tafelservice“ im Matthaes Verlag wurde 1995 von unserer Schwester, der Internationalen Akademie der Gastronomie preisgekrönt.

Am 21. April 2008 konnten wir in die Obhut der Johann Christian Senckenberg Bibliothek der Goethe-Universität in Frankfurt am Main 12 000 Bände zu unserem Thema Tafelkultur, ca. 20 000 Archivalien und ca. 16 000 Menuekarten übergeben. Da die Unterbringung im Keller des Nachbarhauses Windmühlstrasse 3, wo wir dankenswerterweise von den Hauseigentümern kostenlose Depoträume haben, für die Lagerung von Büchern, Menükarten und Archivalien konservatorisch nicht vertretbar ist, war ich der Johann Christian Senckenberg Bibliothek https://www.ub.uni-frankfurt.de/ der Goethe-Universität und ihrem Leiter Bernd Dugall sehr dankbar, unsere Papierbestände als Dauerleihgabe anvertrauen zu können. Information über unsere bisher dort erfaßten Bestände sind auf unserer Seite www.Tafelkultur.com unter Verein – Sammlungen ausgeführt.

Nachdem ich lernen durfte, daß Frankfurt nicht nur durch die „Goldene Bulle“ zur Kaiserkrönungsstadt und durch die umfangreichen Ritualien im Zusammenhang mit dieser Festlichkeit, die einen beachtlichen Teil der Bestimmungen dieser historisch so bedeutenden Urkunde ausmachen, zum gastronomischen Zentrum Mitteleuropas wurde, sondern daß Frankfurt auch Erscheinungsort der ersten Deutschen Kochbücher war, regte ich Walter Schwarz an, eine Liste aller Publikationen der Tafelkulturwerke zu erstellen, die in Frankfurt herausgegeben waren oder einen Zusammenhang zu Frankfurt besitzen.

Der Verlag Kornmayer hat dann für uns die „Edition Museum für Tafelkultur“. gestartet, die hoffentlich bald weitere Reprints historischer Werke der Öffentlichkeit bieten wird.

Die neueste Publikation zum Thema Kochkunstmuseum im gleichen Verlag herausgegeben von Henner Drescher trägt sicher dazu bei, die öffentliche Aufmerksamkeit auf das ehemalige Kochkunstmuseum zu lenken.

Herausragend sind die Schenkungen von Isabelle Hofmann dank der Vermittlung durch unser Mitglied Dr. Thomas Thomsen der Bibliothek und Sammlung Ihres Vaters Holger Hofmann, der als einem der ersten Fernsehköche berühmt wurde.

Die von seiner Tochter Monica uns geschenkte Sammlung des bedeutenden Tafelkulturdesigners Hanns Welling kam auf Grund meiner jahrzehnte langen Freundschaft mit der Familie Welling in unseren Bestand. 

Einen wichtigen Fundus haben wir in den ca. 100 handschriftlichen Kochbüchern mehrerer Jahrhunderte. Hier bin ich unserer großzügigen Spenderin Ingeborg Schmidt besonders dankbar, die schon sehr früh mit ihrem leider inzwischen verstorbenen Ehemann Werner Schmidt uns als Fördemitglieder unterstützten. Sie schenkte uns nicht nur die Ersteigerungskosten dehandschriftlichen Kochbücher der Frau Forstrat Herr, sondern hat uns inzwischen bereits mehrere dieser so wichtigen Dokumente aus dem Süterlin übertragen.

Für die Schenkung seiner besonders wertvollen Bestände vorzüglich erhaltener, seltener Kochbücher des 16. bis 20. Jahrhunderts dankten wir Uwe Frenzel am 26. Juni 2016 mit der feierlichen Ernennung zum Ehrenmitglied im Grand Hotel Hessischer Hof.

Der Mannschaft der Ehrenamtlichen sind wir zu besonderem Dank verpflichtet:

Frau Gabriele Kuhl erstellte uns die Auflistung der Archivalien.

Stud.Dir. Helmut Jung besorgte uns die Aufarbeitung der Schenkung Prof. Dr. Franz Lerner.

Richard Kutschki unterstützte uns in der internen Archivierung und Sicherung der Unterlagen unserer eigenen Historie.

Renate Frambach führte unsere Bücher und erledigte die Steuermeldungen. Außerdem besorgte sie unsere Adressverwaltung.

Daniel Heymann installierte unsere Datenverarbeitungsanlage mit Server und Datensicherung.

Kai Werkmann reinstallierte unsere PC und LP für die Ehrenamtlichen und unser Büro im Atelier Auf der Koernerwiese 17-19.

Danken darf ich jedoch auch Mitstreitern, die leider inzwischen nicht mehr unter uns weilen, wie Elisbath Gräfin Oberndorff, Inge Sabulis und Peggi Sauer, deren unermüdlicher Einsatz während der Hektik und des unermesslichen Arbeitsaufwandes zur Durchführung der Galadiners mit zum großen Erfolg dieser Veranstaltungen beigetragen haben.

Nach den Vorsitzenden Joachim v. Klitzing und Bruno Hünermund, die beide aus beruflichen Gründen ihren zunächst großen Einsatz nicht weiter erbringen konnten, fiel die Verantwortung wieder an mich.

Gerd Schüler bin ich besonders dankbar, daß er als stellvertretender Vorsitzender uns ab 2006 tatkräftig unterstützte und Peter Julius als ehrenamtlichen Veranstaltungsmanager gewann.

Peter Julius ermöglichte uns den höchsten Überschuß einer Benefizveranstaltung in der Geschichte unseres Vereines. Am 10.April 2008 erlösten wir zum ersten Male bei einer Veranstaltung zum Jubiläum des Weingutes Ornellaia über 20.000,- Euro und übertrafen sogar das Ergebnis der Hamburger Parallelveranstaltung um 500,- Euro.

Dankbar nahm ich das Angebot von Peter Julius am 31.März 2010 an, mit Gerd Schüler weiterhin als Stellvertreter den Vorsitz im Verein für Tafelkultur zu übernehmen.   

Gerd Schüler, erfolgreicher Diskotheken-Unternehmer und Inspirator der Erlebnisgastronomie, hat seit der Gründungsphase keine Anstrengung gescheut, uns in großem Umfang zu fördern, uns wichtige Kontakte an zu bahnen und viele wertvolle Anregungen zu geben, wofür ihm unser besonderer Dank für sein unermüdliches Engagement gilt.

Inzwischen übernahm Michael Ecker den stellvertretenden Vorsitz, um die Vorstandsverjüngung zu komplettieren.

Ebenso  beschlossen wir, den Namen unseres Vereines in Deutsche Tafelkultur e.V. zu verbessern.

Das großzügigen Angebot von Dr. Hans-Dieter Lippert, die oberste Etage der Zeil 83, dem Gebäude seiner Familienstiftung für 10 Jahre mietfrei nutzen zu dürfen, erlaubte uns, das Deutsche Museum für Kochkunst und Tafelkultur zu installieren. Am am 25. November 2015 nach fast 30 Jahren Vorarbeit eröffnete es mit der Ausstellung Es ist angerichtet. Für die Einrichtung des Museums, diese Eröffnungsausstellung und alle folgenden gilt unser ganz besonderer Dank unserem Museumsleiter und Kurators Mikael G. B. Horstmann, Kulturwissenschaftler, Städteführer.

Das Museum führt  die kulinarischen, gastronomischen und tafelkulturellen Ausstellungen des bis 1937 am Untermaikai gelegene Kochkunstmuseum fort und knüpft an die reiche, weit zurückreichende Geschichte der Gastkultur in Frankfurt am Main an. Unsere durch viel ehrenamtliche Arbeit und bürgerlichen Stiftungsgeist zusammengetragene  umfangreiche Sammlung von Objekten, Literatur, Menükarten und Archivalien wird in Einzelausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Das jüngste der Frankfurter Museen ist ein Ort der Auseinandersetzung, Beschäftigung und Erforschung historischer und aktueller Ess- und Trinkkultur in all ihren Facetten; zugleich mit Seminaren und Vorträgen ist es ein Ort der Lehre für das professionelle Gastwesen und die Gastlichkeit im privatem Umfeld. Auf der Basis kulturgeschichtlicher Grundlagen werden die Ausstellungen und Veranstaltungen immer auch heutige Kochkunst und Tafelkultur thematisieren.

Die Realisierung des Museums wurde im besonderen Maße möglich gemacht durch die Lippert Verwaltungsgesellschaft b.R. mbH.

Viktor D.N. Dietrich, Ursula Kohl, Rizlan El Ommali und Dr. Olgrit Ratjen haben sich immer wieder des Musuemsdienstes angenommen und unsere Besucher betreut.

Dank gebührt auch der J. G. Lorey Sohn Nachfolger GmbH & Co. KG und deren Inhaberfamilie Keller, dem Museum Angewandte Kunst und Christiane Boehm-Kochanski.

Für die Eröffnungsausstellung bis zu in der uns aufgezwungenen Wartezeit virtuellen Ostern 2020 | Online-Ausstellung Oster.EIER, der virtuellen Führung am Ostersonntag und der Vorschau zu Dineus, der Ausstellung auf der Ambiente im Februar preisgekrönter Entwürfe zeitgenösisscher Tafelkultur und der zugehörigen Publikation des Callwey Verlages gilt unser erneuter Dank der immer wieder großen Leistungen von Mikael G. B. Horstmann, inzwischen auch lizenzierter Kniggetrainer. Er hat uns nicht nur digital aktualisiert, sondern auch als herausragende Schenkung den Nachlass des Café Gruber vermittelt. Außerdem steht er immer wieder für Sonderführungen und Fremdveranstaltungen für uns im Einsatz.

Inzwischen wird er unterstützt von Dominique Hornig, Sommelier, Oenologe, Dozent und Weinimporteur.

Knut Günther, Juli 2020